Im Jahre 1940, als ich noch zur Schule ging, sah man überall die verschiedensten Uniformen,denn es war Krieg; und so gehörten Soldaten, Offiziere der Wehrmacht und anderer Organisationen zum Strassenbild. Auch die Angehörigen von Reichsbahn, Reichspost, Verkehrsbetrieben trugen ihre Uniformen, selbst Bankportiers, Gasableser, Amtsboten leisteten ihren Dienst in Uniform, stets mit der unvermeidlichen Dienstmütze.
In den Strassenbahnen und Omnibussen unserer Kleinstadt traten nunmehr auch Frauen in Uniform auf, die anstelle der zum Kriegsdienst eingezogenen Männer zu Schaffnerinnen und auch Wagenführerinnen wurden. Neben den Frauen, die vom Arbeitsamt "dienstverpflichtet" wurden, sah man auch junge Mädchen aus den Reihen des BDM, die im Rahmen des "Kriegseinsatzes der Deutschen Jugend" zum Arbeitseinsatz kamen.

Luftwarndienst Gau Westfalen-Süd

Luftwarndienst im Gau Westfalen-Süd
Gauhauptstadt: Bochum

Befehlsstand der Gauleitung:
Bunkeranlagen "Gaubefehlsstand" Harkortberg bei Wetter/Ruhr

Stationsansage (Ansage vor jeder Luftlagemeldung)
"Luftlagebericht Westfalen-Süd"

Pausenzeichen: Klingelton (im 10-Sekunden Rhythmus)

Sendungen über Drahtfunk
auf den Wellenlängen 1200 Meter Langwelle
1875 Meter Langwelle
569 Meter Mittelwelle

Beispiel für Durchsagen:

Achtung! Achtung!
Luftlagebericht Westfalen-Süd:
Das Industriegebiet wird von einem starken Kampfverband mit Südkurs angeflogen. Die Spitze de Verbandes steht bei Recklinghausen und ist im Anflug auf Wanne-Eickel. Vorsicht vor Bombenwurf! Alles sucht die Luftschutzräue auf. Ich wiederhole: .....

Die starken Verbände kreisen im Raum Dortmund. Die ersten Abflüge stehen mit Nordwestkurs im Raum Wesel. Das östliche Gaugebiet gibt Vorentwarnung. Ich wiederhole:......

Als der Luftkrieg immer stärker wurde, kamen außer den Meldungen für die Bevölkerung zusätzlich sogenannte "Dienstberichte" von der Gauleitung. Durch diese wurden die Hilfsorganisationen alarmiert und gesteuert, die nach den Bombenangriffen tätig werden mußten.
Die Meldungen wurden durch Kennworte verschlüsselt. So wurden für die Städte im Gaugebiet folgende Kennworte benutzt:

Albert.......Hagen
Anna.........Bochum
Berta........Hilchenbach
Bruno........Soest
Fritz........Witten
Georg........Castrop-Rauxel
Gustav.......Hamm
Günter.......Neheim
Heinrich.....Dortmund
Hermann......Wittgenstein
Hugo.........Lünen
Ida..........Herne
Ilse.........Olpe
Liesel.......Iserlohn
Lore.........Wattenscheid
Paula........Oeventrop
Peter........Siegen
Reinhold.....Hohenlimburg
Rolf.........?
Siegfried....Wanne-Eickel
Theodor......Lüdenscheid
Therese......Arnsberg
Ulrich.......Schwerte

"Feindtätigkeit" wurde nach folgenden Kennworten abgestuft:

Violine.....Bombenwurf
Geige.......Bombenteppich
Bratsche....anhaltender Bombenwurf
Bass........Großangriff
Wiesvogel...anhaltender Bombenteppich

Alarmierung für die Hilfsorganisationen:

Äpfel........Betreuungstrupps
Birnen.......Sanitätstrupps
Erdbeeren....Luftschutztrupps
Kirschen.....Löscheinheiten
Pflaumen.....Ärzteeinsatz
Radieschen...Bergungstrupps
Tomaten......Räumungstrupps

Ein Dienstbericht hörte sich dann etwa wie folgt an:

Achtung! Achtung!
Dienstbericht:
Violine 54 Dora Eins !
Ich wiederhole: ......

(54 D 1 = Planquadratbezeichnung nach dem 'Gauleiternetz', das dem 'Jägergitternetz', überlagert war -
54 D 1 = Wesel
55 D 3 = Hamm
55 D 7 = Dortmund)

(Text: Bombenabwurf in Wesel)

Nachfolgend die Kopie einer selbstgefertigten "Flaktabelle" = Luftlagekarte aus der Kriegszeit:

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